Hello, this is Stuttgart calling…
Heute haben wir uns strategisch in zwei Kommandos aufgeteilt. Ganz im Sinne der aktuellen Lage in Stuttgart, was die globale militärischen Leitung betrifft.
Die Parallele hierbei stellte sich später erst heraus, aber dazu gleich mehr. Jedenfalls verabredeten wir uns vorerst zu zweit, um an einem Vortrag in der City teilzunehmen.
Alle anderen sollten währenddessen die Stellung am Schlossplatz halten, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellte. Es regnete in Strömen, außerdem meldeten sich manche Kameradinnen und Kameraden ab oder es bestand momentan kein Funkkontakt. So verharrten zwei Pioniere ein Weilchen in Deckung und verstärkten später die auf drei Gelbe erweiterte Delegation im karitativen BohnenCafe. Dort fand im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der “AnStifter” der Vortrag: «Der amerikanische Feldherrnhügel für die halbe Welt - EUCOM und AFRICOM» statt.
Zu fünft horchten wir die Informationen und Anekdoten eines Friedensaktivisten ab. Obwohl einige von uns bereits davon wussten, so wurde uns doch wesentlich klarer, dass mit der Stationierung von EUCOM und nun auch AFRICOM die komplette US-Militär- und NATO-Oberbefehlsherrschaft vor unseren Haustüren ihr Unwesen treibt. Von Stuttgart aus werden militärische Pläne geschmiedet, Entscheidungen getroffen und Befehle erteilt, die einen Großteil der Welt betreffen! Die Stuttgarter AnStifter beschrieben das in ihrer Ankündigung so: “Nur wenige wissen, in welch angenehmer Nachbarschaft sie leben, nämlich in der von US-Kommandozentralen für weltweite Militäreinsätze. Kann man da noch ruhig schlafen?” Ohne auf den genauen Verlauf des Vortrags und der darauffolgenden Diskussion näher einzugehen, sei so viel gesagt: Es macht den Eindruck, dass immer noch zu viele richtig ruhig schlafen, und zwar rund um die Uhr.
Da halfen wohl auch die vereinzelten kleineren Demonstrationen und Aktionen gegen die ortsansässigen US-Einrichtungen nicht viel. Der Erfolg des Referenten Dr. Wolfgang Sternstein ließ sich auf einige Jahre im Knast beziffern. Die Aufmerksamkeit der regionalen und bundesweiten Öffentlichkeit ist jedenfalls sehr gering, was diese Thematik betrifft. In Stuttgart lagern eben keine Atombomben, sondern hier hausen die Masterminds und Darth Vaders der militärischen Weltordnung. Dem gemütlichen und friedliebenden Schwaben ist das gemeinhin relativ wurst, denn aus der Region stammen ja ohnehin ganz andere erfinderische Großkaliber und Megastars des Denkens, wie Schiller, Hegel, Daimler, Kepler, Schelling, Hölderlin und und und… ziviler Ungehorsam im Schwabenland findet darüber hinaus beim “Viertele” Wein und bestenfalls bei der Kehrwoche statt. Wenigstens können sich einige Spätzle-Revoluzzer mit Petitionen, Klagen, Anträgen, Rechtsstreitigkeiten und juristischen Spitzfindigkeiten zur Spezialguerilla entwickeln.
So richtig behagen möchte es den aktivsten Bürgern dann doch nicht, wenn hinter einem Verwaltungsgebäude “vom Daimler” die Amerikaner Krieg spielen und Menschen nach Guantanamo verschleppen lassen. Da sollte schon mal demonstriert werden, für den Frieden, gell. 
Aus unseren Reihen wurde eine Frage gestellt, die das weitere Vorgehen mitsamt Strategien betraf. Das überwiegend ältere und politisch recht gut informierte Publikum konnte sich demgegenüber nicht wirklich äußern und auch der Referent machte sich keinen Reim daraus. So wird es im Wesentlichen bei einer Friedensdemonstration am 20. September bleiben. Diese ist sicherlich unterstützenswert. Unter Berücksichtigung der weltweiten Tragweite des Geschehens um den “Brennpunkt Stuttgart” ist es wünschenswert, dass sich die Augen der Menschen vermehrt auf Stuttgart richten. Besonders die widerständigen Kräfte dürfen sich gerne mal hier bündeln! Unter dem Deckmantel einer beschaulichen Großstadt und der wirtschaftlichen Stärke der Region agieren hier einige der düstersten Gestalten, die offiziell als unsere Freunde gelten. Als friedvolle und im Grunde angenehme Stadt soll Stuttgart bestehen bleiben und blühen, aber als ein “Zentrum der Macht”, das gegen den Willen der meisten Menschen handelt, darf es fallen! Ya basta!
Zum Abschluss ist zu erwähnen: Der Lauschangriff unserer ENR-Gruppe war sicherlich weder uninteressant noch unnötig. Für weitere Planungen zogen wir uns anschließend in ein Lokal mit dem treffenden Namen “Einstein” zurück. Am Wochenende sind wir wieder als ENR-Nomaden und Aufklärungseinheit unterwegs. In zwei Stufen rollen wir in der Schweiz ein und werden voraussichtlich zu sechst! die gesamte Bandbreite des dortigen Treffens untersuchen, ob nicht doch alles nur Schall und Rauch ist. Unser “Social Hypernetworking” wird dort im Gange sein, um neben dem Knüpfen von Kontakten obendrein unsere Vortragsreihen und Veranstaltungen vorzubereiten. Nun ziehen wir unsere Kreise, strecken die Fühler und Antennen aus und versprühen einen unserer stärksten Abwehrstoffe: Braintrails.
Herzliche Grüße an alle Gelben, nicht zuletzt an die Gleichgesinnten im Herzen und im Verborgenen…
Ein blauer Himmel für Alle!
Aus Stuttgart
Anbei noch ein Gruppenfoto,- wir lassen das grundsätzlich von Passanten oder anderen Lokalgästen machen…
Vielen Dank, bis dann,
Florian (im Auftrag, Comando Stuttgart)
